„Heute habe ich wieder Hoffnung.“ So beschreibt eine Klientin von THEODORA ihren Moment, als sie nach langer Zeit ohne Krankenversicherung erstmals medizinisch abgesichert war und konkrete Schritte in eine neue berufliche Zukunft gehen konnte. Solche Erfahrungen stehen stellvertretend für viele Frauen, die durch die Arbeit der Beratungsstelle Stabilität, Sicherheit und neue Perspektiven gewinnen.
Die Fachberatungsstelle für Prostituierten- und Ausstiegsberatung THEODORA der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. zieht für das Jahr 2025 eine positive Bilanz. Durch ihre aufsuchende Arbeit erreichte THEODORA im vergangenen Jahr rund 550 Sexarbeiter*innen in 45 bordellähnlichen Betrieben und Wohnungen in Ostwestfalen-Lippe. Ergänzt wurde dieses Angebot durch die intensive Beratung und Begleitung von 100 Frauen sowie die Unterstützung von 26 Kindern ihrer Klient*innen. Die Beratung war breit gefächert und reichte von Krankenversicherung und An- und Abmeldung nach dem Prostituiertenschutzgesetz über Steuer- und Finanzfragen bis hin zu psychosozialer Unterstützung, Gesundheitsprävention sowie Hilfe bei Wohnungs- und Jobsuche. Damit leistet THEODORA einen wichtigen Beitrag zur sozialen Absicherung und zur Stärkung der Eigenständigkeit der Klient*innen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Begleitung von Frauen, die ihre Tätigkeit in der Prostitution beenden wollten. Insgesamt 30 Klient*innen konnten mit Unterstützung von THEODORA eine berufliche Neuorientierung beginnen und andere Lebensperspektiven entwickeln. Die Beratungsstelle macht in ihrem Jahresbericht 2025 deutlich, dass dieser Prozess Zeit, Vertrauen und eine enge individuelle Begleitung braucht, um nachhaltig wirksam zu sein.
Geprägt war das vergangene Jahr außerdem durch die Veröffentlichung der Evaluation des Prostituiertenschutzgesetzes und die intensive öffentliche Debatte um ein Sexkaufverbot. THEODORA und die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. positionieren sich hierbei klar gegen eine Kriminalisierung von Sexarbeit. Sie setzen sich stattdessen für die Stärkung der Rechte von Sexarbeitenden, den Abbau von Stigmatisierung sowie für den Ausbau von Schutz- und Unterstützungsangeboten ein. Der Bericht unterstreicht, dass Sicherheit und Selbstbestimmung nicht durch Verbote, sondern durch soziale Absicherung, Beratung und Anerkennung erreicht werden.
Durch enge Kooperationen mit Behörden, Fachberatungsstellen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen sowie durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit leistet THEODORA - auch 2025 - einen wichtigen Beitrag zu Aufklärung, Vernetzung und fachlichem Austausch. Veranstaltungen, Kooperationen und Sensibilisierungsarbeit trugen dazu bei, einen differenzierten Blick auf das Thema Sexarbeit zu fördern und Vorurteile abzubauen.
