Sichtbarkeit statt Stigma – Solidarität mit Sexarbeitenden
Der Internationale Hurentag, in vielen englischsprachigen Ländern als International Sex Workers’ Day bezeichnet, wird jedes Jahr am 2. Juni begangen und erinnert an die anhaltende Diskriminierung sowie die oft prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden. Der Gedenktag geht auf den 2. Juni 1975 zurück, als in Lyon über 100 Sexarbeitende die Kirche Saint‑Nizier besetzten, um gegen zunehmende Repressionen zu protestieren. Dieser „Hurenstreik“ gilt als Ausgangspunkt der modernen Selbstorganisation von Sexarbeitenden. Trotz dieses historischen Meilensteins bleibt ihnen bis heute weitgehend verwehrt, an politischen und rechtlichen Regelungen mitzuwirken, die ihre eigene Branche betreffen.
Starke Stimmen in den Beratungsstellen in Herford
Auch in den Beratungsstellen NADESCHDA und THEODORA sowie in der Fachstelle YUNA Westfalen-Lippe wurde der 9. März 2026 als Frauenstreiktag bewusst begangen. Der Anlass war der Aufruf des #TöchterKollektivs zu einem globalen Frauen*Generalstreik, der den Internationalen Frauentag um einen Tag des Protests und der Arbeitsniederlegung erweiterte. Birgit Reiche, leitende Pfarrerin der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen, hatte diesen Aufruf an die Mitarbeitenden weitergegeben und betont: „Jede nach ihren Möglichkeiten – aber gemeinsam für eine gerechtere Welt.“
Kino-Matinee mit Blick auf das „neue alte Ich“
Am Internationalen Frauentag luden die Mädchen- und Frauenberatungsstellen in Herford, unter anderem THEODORA und NADESCHDA, zu der Kino-Matinee für Mädchen und Frauen in das Herforder Kino Capitol zu einem gemeinsamen Vormittag ein. Er bot Raum für Austausch, Begegnung und neue Impulse. Gezeigt wurde „Mein neues altes Ich“, ein Film, der Betroffene ernst nimmt und zugleich gesellschaftliche Fragen stellt. Zur Begrüßung gab es wie gewohnt ein Getränk. Freundinnen, Mütter, Töchter, Kolleginnen oder die beste Freundin – alle waren willkommen, diesen besonderen Tag gemeinsam zu verbringen und sich von einem bewegenden Kinoerlebnis inspirieren zu lassen. Der Film hat im Anschluss regen Austauschbedarf bei den Besucherinnen ausgelöst.
Blumengruß zum 8. März
In der Woche des Internationalen Frauentages, dem 8. März, verteilten die Mitarbeiterinnen der Prostituiertenberatungsstelle THEODORA bei ihrer aufsuchenden Arbeit an den Prostitutionsorten in Bielefeld sowie in den Kreisen Lippe, Gütersloh, Herford, Paderborn, Minden‑Lübbecke und Höxter kleine Grüße und Blumen. In vielen Ländern – ursprünglich vor allem in Russland, inzwischen aber weit darüber hinaus – ist es Tradition, Frauen an diesem Tag Blumen zu schenken oder ihnen auf andere Weise Wertschätzung entgegenzubringen.
Verlässliche Hilfe, klare Haltung, konkrete Perspektiven
„Heute habe ich wieder Hoffnung.“ So beschreibt eine Klientin von THEODORA ihren Moment, als sie nach langer Zeit ohne Krankenversicherung erstmals medizinisch abgesichert war und konkrete Schritte in eine neue berufliche Zukunft gehen konnte. Solche Erfahrungen stehen stellvertretend für viele Frauen, die durch die Arbeit der Beratungsstelle Stabilität, Sicherheit und neue Perspektiven gewinnen.
Traditioneller Frühlingsgruß in Ostwestfalen‑Lippe
Zum Start in den Frühling verschenken die Beraterinnen der Prostituiertenberatungsstelle THEODORA auch in diesem Jahr sogenannte „Märzchen“ im Rahmen ihrer aufsuchenden Arbeit in Ostwestfalen‑Lippe. Diese kleinen rot‑weißen Bänder – in Bulgarien, Rumänien und Moldawien als „Marteniza“ bekannt – werden traditionell ab dem 1. März an Menschen verschenkt, denen man Gesundheit, Glück und ein langes Leben wünscht.
Jahresbericht 2025
Menschen, die in der Prostitution arbeiten, sind häufig mit Vorurteilen und Stigmatisierung konfrontiert. Obwohl Prostitution gesellschaftlich weit verbreitet ist, zählt sie zu den am stärksten tabuisierten Tätigkeiten. Dies erschwert vielen Sexarbeiter*innen ein offenes Leben und die Entwicklung neuer Lebensperspektiven.
