Sichtbarkeit statt Stigma – Solidarität mit Sexarbeitenden

Der Internationale Hurentag, in vielen englischsprachigen Ländern als International Sex Workers’ Day bezeichnet, wird jedes Jahr am 2. Juni begangen und erinnert an die anhaltende Diskriminierung sowie die oft prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden. Der Gedenktag geht auf den 2. Juni 1975 zurück, als in Lyon über 100 Sexarbeitende die Kirche Saint‑Nizier besetzten, um gegen zunehmende Repressionen zu protestieren. Dieser „Hurenstreik“ gilt als Ausgangspunkt der modernen Selbstorganisation von Sexarbeitenden. Trotz dieses historischen Meilensteins bleibt ihnen bis heute weitgehend verwehrt, an politischen und rechtlichen Regelungen mitzuwirken, die ihre eigene Branche betreffen.

Auch in Ostwestfalen‑Lippe wird der Tag genutzt, um auf die Situation von Sexarbeitenden aufmerksam zu machen und Stigmatisierung entgegenzuwirken. Die Beraterinnen der Beratungsstelle THEODORA betonen, dass es ein besonderer Tag sei, den sie bewusst gemeinsam mit den Frauen begehen möchten. Beratungsstellen seien häufig die einzigen Orte, an denen ihre gesellschaftlich tabuisierte Tätigkeit akzeptiert werde. Deshalb führten die Mitarbeiterinnen in der ersten Juniwoche zahlreiche Gespräche und verteilten Visitenkarten, Informationsmaterial und Blumen in Clubs, Bars, Appartements, Wohnungen, Wohnwagen und Kneipen der Region.

Der 2. Juni erinnert daran, dass Sexarbeiterinnen seit Jahrzehnten für ihre Rechte, für Sichtbarkeit und gegen Stigmatisierung kämpfen. Aktuell setzt THEODORA ein Zeichen der Wertschätzung, indem die Beratungsstelle an diesem Tag in Herford Blumen und kleine Geschenke an die Sexarbeiterinnen überreicht.